Was kann Blockchain? Potenziale und Anwendungsfälle

Blockchain: Effizienz, Automatisierung und Disruption – für alle Branchen

Die Tech- und Business-Community schreibt, bloggt und streitet über Blockchain. Es geht um die möglichen Auswirkungen einer Technologie, der revolutionäre Umwälzungen zugetraut werden.

Die innovative Technologie wird als das 5. bahnbrechende Computer-Paradigma bezeichnet. Sie rangiert damit in einer Gewichtsklasse mit den Großrechnern in den 1970er-Jahren, dem PC in den 1980er-Jahren, dem Internet in den 1990er-Jahren und Social Media in den 2000ern. In den jeweiligen Jahrzehnten ahnte man nicht, was Personal Computer, Internet-Handel, Social Media oder das Internet der Dinge für unsere Gesellschaft bedeuten würden.

Vergleich mit dem Internet

Besonders geläufig ist der Vergleich mit der Internet-Revolution. Der geht so: Das Internet hat die Gesellschaft mit dem TCP/IP-Protokoll revolutioniert. Blockchain wird ähnliche Umwälzungen mit ihrem Consensus-Protokoll bewirken. Beide Technologien gehören niemandem. Das Internet hat die Gepflogenheiten der Medien- und Verlagshäuser kräftig erschüttert. Blockchain wird von der Finanz- und Versicherungsbranche mit Argusaugen beobachtet. Aber es gibt auch Unterschiede:  Im Internet werden Daten zentral auf einzelnen Servern gespeichert und verwaltet. Eine Blockchain ist dezentralisiert, also eine Art verteilte Datenbank: Jeder Netzwerk-Teilnehmer besitzt seine eigene Kopie der Daten.

Was kann die neue Technologie?

1. Blockchain ersetzt Intermediäre

Das Blockchain-Prinzip bedroht Mittler, wie Banken, Börsen und Versicherungen, weil man durch sie auf die Autorität von Dritten verzichten kann. Kurz: Sie erzeugt Vertrauen qua Technologie. Jede Transaktion erfolgt verschlüsselt. Die beteiligten Netzwerkknoten entschlüsseln und bestätigen jede Transaktion. Dabei handeln sie einen Konsens aus, indem sie Prüfsummen ausrechnen und vergleichen. Wenn die Mehrheit der Knoten so einen mathematischen Konsens bestätigen, wird er – in Form eines neuen Blocks – gültig und auf alle Knoten kopiert.

Dieses aufwändige Verfahren sorgt für die Sicherheit der Blockchain. Sie gilt als nicht lösch- und manipulierbar, weil jeder neue Block kryptografisch gesichert ist und zugleich in unzähligen Kopien vorliegt. Man kann keinen Block fälschen. Man kann theoretisch die komplette Blockchain kapern. Dieser Plan scheitert allerdings praktisch daran, dass niemand über die dafür notwendige Rechenleistung verfügt.

2. Blockchain integriert Smart Contracts

Smart Contracts sind Programme, die eine Transaktion protokollieren und dabei automatisch dafür sorgen, dass die Bedingungen eines Vertrags eingehalten werden. Dabei können sie mit smarten Gegenständen (Internet der Dinge) direkt kommunizieren und Aktionen, die aus einem Vertragsabschluss folgen, automatisch umsetzen.

Eine Blockchain könnte beispielsweise den Download eines Musiktitels starten, nachdem er bezahlt wurde. Demgegenüber garantiert der Intermediär Paypal dem Musik-Verkäufer nur den Eingang der Zahlung, weil der Käufer das Geld vorab auf ein Paypal-Treuhandkonto überweist. Sollte der Download nicht funktionieren, muss der Käufer den Käuferschutz bei Paypal aktivieren, damit Paypal das Problem löst. Für diesen Service lässt Paypal sich freilich bezahlen. Im Gegensatz zur Blockchain.

3. Blockchain eignet sich für Datenhandel und Dokumentation

Eine Blockchain muss nicht unbedingt die ganze Welt umspannen. Sie kann auch für ausgewählte Teilnehmer aufgesetzt werden. Jeder neue Datensatz wird dann von allen autorisierten Teilnehmern des Netzwerks bestätigt. So eine geschlossene Blockchain eignet sich hervorragend für die Übertragung von Daten oder die Dokumentation von Prozessen, bspw. im Bereich von Intellectual Property. Staatliche Ämter und Behörden könnten ihre Register, bspw. Grundbücher, Rentenansprüche und Einwohnerdateien via Blockchain führen, um die Prozesse zu vereinfachen.

4. Blockchain steigert die Effizienz

Mit Blockchain-Technologie kann man den Transfer von Werten mit der Abwicklung von Verträgen verknüpfen. Dabei müssen alle vertraglich gestalteten Transferprozesse standardisiert und automatisiert werden . Die Folgen liegen auf der Hand: Wenn ein Prozess in Form einer Blockchain abgebildet ist, dann ist er extrem effizient; man spart Zeit und Kosten für Personal und Intermediäre.

5. Blockchain hat disruptives Potenzial

Der aktuelle Hype um das disruptive Potenzial von Blockchain entsteht zum einen, weil sie Intermediäre bedroht und zum anderen, weil sie Effizienzgewinne verspricht. Wenn Blockchain zu  einer Basistechnologie wird, könnte sie etablierte Lösungen ersetzen, weil sie bessere Leistungen bringt; besser bedeutet: sicherer, schneller, automatisch, standardisiert, effizienter.

Dabei gilt: Die Prozesse, die wir in den folgenden Beispielen vorstellen, lassen sich alle auch ohne Blochckain durchführen – aber mit Blockchain wären sie deutlich effizienter. Und frei nach Jeff Bezos sind alle Unternehmen disruptiv, die etablierte Prozesse der Wertschöpfung deutlich effizienter anbieten können als ihre Konkurrenz.

Beispiele für die Anwendung von Blockchain

Digitales Bezahlen

Der Ursprung und Klassiker ist das digitale Bezahlen: Mit Bitcoin, der wichtigsten Kryptowährung, kann man digital bezahlen; dabei fällt etwa ein Prozent Gebühren an. Hier finden Sie eine Liste von Webseiten, die gegenwärtig Bitcoins akzeptieren. Bitcoins werden gerne für Micropayments verwendet, um Musik, Apps oder Online-Gaming-Zubehör im Internet zu kaufen. Das Bezahlen mit Bitcoin gefährdet die Intermediäre des digitalen Bezahlens, u.a. PayPal, Google Wallet und Apple Pay.

Wertpapierhandel

Ende 2015 startete die US-Börse Nasdaq ihre erste Blockchain-Handelsplattform für Wertpapiere namens Linq. Via Blockchain könnte man auch Anleger, Banken und Börsen durch peer-to-peer-Verbindungen vernetzen. Wenn ein Anleger eine Aktive kaufte, dann würde der Übergang des Eigentums sofort in der verteilten Datenbank bestätigt und dokumentiert werden.

Wahlen

In einem Wahlsystem, das auf einer Blockchain beruht, könnten die eingetragenen Wähler  vom heimischen Tablet aus anonym, sicher und direkt wählen. Die Zwischenergebnisse wären jederzeit exakt abrufbar und ebenso fehlerfrei und fälschungssicher wie die finale Auszählung nach Wahlschluss. Das Projekt „Follow my vote“ verfolgt das Ziel, auf Grundlage der Kryptowährung BitShares eine sichere Plattform für Online-Wahlen zu entwickeln. Der nächste Schritt führt zu Konzepten wie Liquid Democracy.

Öffentliche Verwaltung

Blockchain könnte die Dienste der öffentlichen Verwaltung revolutionieren: Personalausweis aktualisieren, Wohnsitz ändern, Grundbesitz eintragen, Auto an- oder abmelden, Vereinsvorstand wechseln, Baugenehmigung beantragen, Steuererklärung abwickeln, Rentenkonto klären – alle diese Verwaltungsabläufe könnte man sicher und effizient mit Blockchain durchführen. Zugleich würden erhebliche Vorteilen für die internen Prozesse der Behörden entstehen, weil die Daten aller beteiligten Akteure sicher verarbeitet und verteilt würden. Auch die Vorteilen für die Bürger sind offensichtlich, weil die Wege zu den Ämtern, die Wartezeiten, die langwierigen Prozeduren vor Ort (Büro im EG, Kasse im ersten Stock, dann mit Bezahlbeleg wieder zurück ins Büro …) wegfielen.

Versicherungen

Die Versicherungsbranche hat ähnliche Gründe, sich vor der Blockchain zu fürchten, wie der Finanzsektor, denn mittels Smart Contracts könnten peer-to-peer-Versicherungen angeboten werden. Nicht ganz so radikal ist der Gedanke, dass Versicherungen ihre Policen mithilfe einer Blockchain umsetzen. Häufig wird ein Szenario zitiert, in dem die Versicherungsbeiträge automatisch steigen, weil die Autos riskantes Fahrverhalten direkt an den Versicherer melden.

Gesundheitswesen

Im Gesundheitswesen könnten medizinische Akten in einer Blockchain prozessiert werden. Die sensitiven Daten wären verschlüsselt, so dass es für die Mitglieder des Netzwerks prinzipiell nicht möglich wäre, den Patienten zu bestimmen bzw. den kompletten Datensatz auszulesen. Auf Basis eines detaillierten Rechtemanagements könnte man durch Smart Contracts autorisierten Instanzen unter definierten Bedingungen den Zugriff auf Daten erlauben: So könnten der Hausarzt und Fachärzte bei Bedarf alle relevanten Daten der Behandlungsgeschichte auslesen. Krankenkassen hätten ebenfalls Zugriff auf relevante Informationen. Zugleich könnten Uni-Kliniken autorisiert werden, einzelne Datenabschnitte für wissenschaftliche Zwecke zu nutzen (ohne die Person hinter den Daten zu kennen).

Energiesektor

Die Energieindustrie kann von der neuen Technologie profitieren, indem sie ihre Dienstleistung mit Blockchain abbildet. Wie bereits gesagt, ist Blockchain eine hervorragende Möglichkeit, um Mikropayments abzuwickeln. Das kann aber auch bedeuten (Stichwort: Disruption), dass Privatpersonen, die Solarzellen auf ihren Hausdächern installiert haben, sich in einem sonnigen Viertel zusammenschließen und sich untereinander über eine private Blockchain privat Strom verkaufen. Oder sie verkaufen an die Hausbesitzer der schattig gelegenen Immobilien im Nachbarviertel.

Blockchain verändert alle Branchen

Die Beispiele zeigen, wie sich das disruptive Potenzial in verschiedenen Branchen auswirken könnte. Auf der Cebit 2017 hat die Telekom eine Modellfabrik vorgestellt, die mittels Blockchain und Smart Contracts komplett automatisch funktioniert, weil alle Bauteile digital vernetzt sind.

Die Vorteile des Blockchain-Prinzips liegen auf der Hand:

  • Inhalte können weder gelöscht noch manipuliert werden.
  • Dadurch ist die Blockchain die solide Basis für eine einfache, direkte und sichere Übertragung von Werten und Daten.
  • Sie ist eine ideale Grundlage für Dokumentationen.
  • Sie eignet sich für die Automatisierung und Standardisierung von Prozessen.
  • Sie reduziert Kosten und Risiken.
  • Sie steigert Sicherheit, Tempo und Effizienz. 

Mittlerweile haben sich 77 Banken (Stand 03/2017), darunter auch die Deutsche Bank und die Commerzbank, in einem internationalen Konsortium zusammengeschlossen, das von einem New Yorker Finanz-Start-up namens R3 angeführt wird. Das gemeinsame Ziel heißt: eigene technische Blockchain-Standards entwickeln.

Aber die genannten Vorteile haben nicht nur die Finanzwelt überzeugt: Auch das Venture-Kapital für Start-ups und etablierte Unternehmen, die mit Blockchain experimentieren oder die Technik schon einsetzen, ist in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen und erreichte bereits im Jahr 2015 einen Wert von 600 Millionen Dollar.

Die Schweizer Stadt namens Zug ist weltweit die erste staatliche Instanz, die Bitcoins seit Juli 2016 im Rahmen eines Pilot-Projekts als Zahlungsmittel akzeptiert. 

Wird Blockchain ihre Versprechen halten?

Es gibt noch viele technische und juristische Herausforderungen, die überwunden werden müssen. Aber das galt vor 30 Jahren auch für das Internet.

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